.. und damit zurück im normalen Leben!
Ja, wie die meisten ja bestimmt mitbekommen haben, ist jetzt länger kein Blog mehr gekommen, da ich nicht wirklich die Zeit dazu hatte. Ich hatte ziemlich viel zu organisieren, zu planen und zu erledigen. Ich war, bzw. bin bis Mittwoch, seit 62 1/2 Tagen in der Psychiatrie. Ihr fragt euch jetzt bestimmt, warum ich das im Internet so groß breittrete, weil es ja eigentlich etwas ist, für das man sich schämen sollte.
Oder?
NEIN! Ist es nämlich nicht. Zumindest nicht aus meiner Sicht der Dinge. Ich mein, ich bin ein Mensch wie jeder andere, habe genauso meine Probleme und habe mir Hilfe geholt, da ist absolut nichts bei. Ich möchte euch einen anderen Eindruck von dem Wort "Psychiatrie" oder "Klapse" oder "Anstalt" vermitteln, wie auch immer es die Leute nennen mögen.
Natürlich, auch ich habe mir sämtliche Horror-Szenarien ausgemalt, wie es dort wohl aussehen könnte, oder was ich dort alles erleben werde. Und es war grauenhaft, alleine diese Vorstellung. Doch mit dem Tag meiner Aufnahme, hat sich dieses Bild verschlagen. Man kommt nicht in einen dunklen Flur, mit grellem Neon-Licht beleuchtet und schweren Stahltüren. Nein, man kommt auf eine Station, die sehr hell und freundlich gestaltet ist, die eine mehr oder weniger warme Atmosphäre ausstrahlt. Eigentlich ganz angenehm, aber natürlich hat man immer im Hinterkopf, dass man im Krankenhaus ist. Man ist mit 2 anderen Leuten auf einem Zimmer, und man kann es sich so wohnlich gestalten wie man will. Und, das absolut geilste an der Psychiatrischen Abteilung ist wohl, dass man einen Raucherraum auf Station hat! Wuuuuuuuhu! Naja gut, die Nichtraucher werden sich darüber wahrscheinlich nicht so freuen, aber für alle Raucher ist das denke ich mal so, wie Weihnachten und Ostern zusammen. Man darf rausgehen. Wir dürfen uns essen bestellen und so weiter und sofort. Angenehm eigentlich. Und, ich muss sagen, in meinen Augen lernt man dort die normalsten Menschen kennen. Wir verstehen uns alle super, sind sozusagen eine kleine Familie, da man den ganzen Tag miteinander zutun hat. Wir lachen, haben unseren Spaß und sind auch füreinander da, wenn Redebedarf ist. Und natürlich gibt es auch Tage, an denen alles mal nicht so Rund läuft, denn man darf nicht vergessen, dass wir alle da sind, um an uns zu arbeiten. Und ich persönlich finde, dass "an sich selbst arbeiten" die schwierigste Aufgabe ist, die man einem Menschen stellen kann. Es ist verdammt schwer, alte Gewohnheiten zu ändern und lernen, mit neuen Situationen zu leben - zumindest für mich. Die ersten 4 Wochen durfte ich nicht nach Hause, musste zur Beobachtung auf Station bleiben, doch jetzt, darf ich am Wochenende immer in die sogenannte "BE" also - Belastungserprobung. Ich kann Samstag morgen um 9 Uhr die Klinik verlassen und darf nachhause. Sonntag Abend um halb 9 muss ich wieder da sein. Sehr angenehm, nochmal etwas anderes zu sehen. Ich habe dort, in den 2 Monaten Aufenthalt, sehr sehr tolle Leute kennen gelernt, mit denen ich mich super verstehe - dafür bin ich auch sehr dankbar. Am Mittwoch, dem 20.6.2012 werde ich entlassen. Und es ist ein gutes Gefühl. Natürlich habe ich auch Angst, dass es schiefgeht und ich wieder zurück muss, doch das Glücksgefühl darüber, wieder nach Hause zu können, überdeckt diese Angst. Ich habe viel gelernt, habe mich besser kennen gelernt und kann mich jetzt besser aushalten. Natürlich könnte ich mir als 17 Jährige auch besseres vorstellen, als 2 Monate lang in einer Klinik zu hocken, doch es ging nicht anders. Und jetzt weiß ich, dass meine Entscheidung die Richtige war.
Dieser Post ist etwas durcheinander und beinhaltet viele Themen, irgendwie kreuz und quer, aber ich hatte gerade beim Schreiben echt Schwierigkeiten, meine Gedanken zu ordnen - Sachen gibts. Ich hoffe, ihr habt jetzt einen anderen Eindruck von dem Wort "Psychiatrie". Falls ihr noch Fragen haben solltet, dürft ihr mich gerne anschreiben, ich werde offen und ehrlich mit diesem Thema umgehen und schäme mich nicht dafür, im Krankenhaus gewesen zu sein.
In diesem Sinne,
ab in die Rinne!
Steffi.